Zuhause für die letzten Tage

 Zwischen zwei Pforten der ehemaligen Reichsstadt Gelnhausen öffnet sich ein neues Tor. Wohin es führt, ist unbekannt. Keiner, der es durchschritten hat, ist je wissentlich von dort zurückgekehrt. Die hellen, großzügig geschnittenen Räume in der Holzgasse 17 werden künftig Menschen beherbergen, die sich in dieser Welt auf ihre letzte Reise begeben. Das kürzlich eingeweihte Hospiz St. Elisabeth Kinzigtal reift in den nächsten Wochen zu einem Ort heran, an dem Menschen in Würde und Achtsamkeit, begleitet von lieben Menschen und qualifiziertem Fachpersonal, sterben können. Der Magistrat besuchte in seiner jüngsten Sitzung die kurz vor der Fertigstellung stehende Einrichtung.

Es riecht nach Farbe, im ersten Stock trocknet gerade der letzte Anstrich. Eugen Glöckner, Magistratsmitglied und im Vorstand des Förderkreises Hospiz Kinzigtal, führt Bürgermeister Thorsten Stolz und die Stadträtinnen und Stadträte in ein fast fertig gestelltes Zimmer. Warme Brauntöne finden sich in Türen, im Boden und den Möbeln wieder, im Badezimmer durchbrechen gelbe, rote und orangefarbene Akzente das sterile weiß. Gelb, Rot und Orange erleuchten sanft die bodenlangen Vorhänge. Eine unaufgeregte Farbgebung, die dem Raum eine wohnliche Atmosphäre verleiht. Er ist – wie alle anderen Räumlichkeiten auch – barrierefrei, rollstuhlgerecht und großzügig geschnitten sowie mit eigenem Bad mit Dusche und WC ausgestattet. Die Gäste – insgesamt stehen acht Zimmer und weitere Räume für den Aufenthalt und Angehörige zur Verfügung – können eigene Einrichtungsgegenstände mitbringen und Bilder aufhängen, erläutert Eugen Glöckner. Das Urteil über den Raum ist einmütig. Die Atmosphäre ist angenehm, das Zimmer schön. Trotzdem ist die Stimmung gedrückt. Denn alle haben im Hinterkopf: hierher werden Menschen zum Sterben kommen. Hoffnung gibt, dass diese Räume sich schützend um sie legen werden wie ein Kokon.

Bürgermeister Thorsten Stolz und die Magistratsmitglieder wissen zu würdigen, was der erst 2014 gegründete Förderkreis Hospiz Kinzigtal in Rekordzeit geschaffen hat. In nur drei Jahren haben die engagierten Förderer alle in der Satzung verankerten  Ziele erreicht, was nicht immer einfach war, wie Eugen Glöckner bilanziert. Aber dank der breiten Unterstützung aus der Bevölkerung und den Gremien sei der Kraftakt gestemmt worden. „Vor etwa 12 Monaten haben wir mit dem Bau begonnen, jetzt liegen wir in den letzten Zügen. Mitte August sollen die ersten Gäste einziehen können“, so Glöckner. Er erläuterte die Baufortschritte, ging auf drei noch zu schaffende Parkplätze, das Fahrstuhlproblem, das denkmalschutzrechtlich und finanziell nicht einfach zu lösen gewesen sei, und weitere bauliche Herausforderungen beim Umbau des ehemaligen Kreisruheheims ein.

Ein Stockwerk höher liegt ein Zimmer, das einen wunderschönen Ausblick auf die Marienkirche gewährt. Wäre es eine Option, mit diesem Bild im Kopf zu sterben? Frische Luft auf der geräumigen Terrasse über den Dächern von Gelnhausen verleiht den schwermütigen Gedanken etwas Leichtigkeit. Dieser geschützte Außenbereich soll noch mit Pflanzen bestückt werden, sagt Eugen Glöckner und lässt nicht unerwähnt, dass die Gäste auch samt Bett auf die Terrasse können. Überhaupt sei in der Einrichtung fast alles erlaubt – im Rahmen der Möglichkeiten würden den Sterbenden alle Wünsche erfüllt. Selbst die Küche – die auch noch das benachbarte Kreisruheheim versorgt – sei auf die speziellen Bedürfnisse der Schwerkranken eingerichtet.

Eugen Glöckner (Mitte) erläutert Bürgermeister Thorsten Stolz und den Gelnhäuser Magistratsmitgliedern die weiteren Pläne für die Gestaltung des Außengeländes. Drei weitere Parkplätze sollen noch entstehen.

2,5 Millionen Euro hat der Main-Kinzig-Kreis für den Umbau- und Ausbau des ehemaligen Kreisruheheims, das 1898 als Krankenhaus errichtet worden war, bereitgestellt. Träger ist die Hospiz St. Elisabeth Kinzigtal gemeinnützige GmbH Gelnhausen, mit den Gesellschaftern Caritas-Verband für die Diözese Fulda, Caritas-Verband für den Main-Kinzig-Kreis und Förderkreis Hospiz Kinzigtal. Um das komplexe Projekt in so kurzer Zeit stemmen zu können, war der Förderkreis auf starke Partner angewiesen. „Bürgermeister Thorsten Stolz war in jeder Phase des Projektes auf unserer Seite – genauso wie Landrat Erich Pipa, Vize-Landrätin Susanne Simmler, die Geschäftsführung der Caritas Main-Kinzig und Fulda, des Alten- und Pflegezentrums und die Bevölkerung“, bedankte sich Eugen Glöckner. Momentan zählt der Förderkreis 320 Mitglieder, insgesamt bis zu 800 Spender und Unterstützer trugen darüber hinaus zum Gelingen des Projektes bei. „Es ist eine große Herausforderung, die jährlich entstehende Deckungslücke von etwa 40.000 Euro bei der Finanzierung des Aufenthalts der Gäste schließen zu können. Der Förderkreis ist deshalb weiterhin auf eine breite Unterstützung angewiesen“, so Stolz, der ebenfalls noch einmal seine Freude darüber zum Ausdruck bringt, dass das Hospiz im Herzen Gelnhausens errichtet werden konnte. „Die Begleitung und Pflege schwerkranker und sterbender Menschen erfordert ein besonderes Umfeld – auch in medizinischer Hinsicht. Wenn eine stationäre Behandlung im Krankenhaus nicht mehr ansteht, wenn schwerkranke Menschen als ‚austherapiert‘ gelten, dann soll das Hospiz in diesen letzten Tagen des Lebens ein Zuhause werden. Ich denke, diese Räume erfüllen die Voraussetzungen dafür.“

Im Juli wird Pflegedienstleiter Frank Hieret im neuen Hospiz seine Arbeit antreten. Bevor die Einrichtung Mitte August die ersten Gäste aufnehmen kann, bietet ein „Tag der offenen Tür“ am Samstag, 12. August, der interessierten Öffentlichkeit die Gelegenheit, das Gebäude samt Außenanlagen zu besichtigen.

Nähere Informationen gibt es unter www.hospiz-kinzigtal.de

 

(Stadt Gelnhausen)

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