Vom Kennenlernen zum Mitmachen

Main-Kinzig-Kreis. – „Bei Null anfangen ist nie einfach.“ Die gebürtige Kosovarin Hane Krasniqi brachte mit diesem knappen Satz auf dem Podium der Bildungspartner Main-Kinzig (BiP) gleich zu Beginn das auf den Punkt, was neben ihr die gebürtige Iranerin Atousa Shakeri, der Tschader Youssouf Hamid und Dr. Tevfik Severengiz, gebürtiger Türke, jeweils aus ihren Biografien heraus erzählten. Anlass war der zweite Teil der BiP-Veranstaltungsreihe „Zusammenleben in der Einwanderungsgesellschaft“: „Wie Deutschland und ich uns kennenlernten“. Rund 30 Interessierte nahmen teil und diskutierten mit den vier Frauen und Männern, was für sie dieses Kennenlernen erleichterte oder auch erschwerte.

 

Moderiert wurde die Veranstaltung erneut von Alexander Wicker, Fachbereichsleiter Gesellschaft der Bildungspartner, der vom Titel dieses zweiten Teils die zentrale Frage ableitete. Wenn der Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel für die Integration von Flüchtlingen gelte: „Wir schaffen das“, dann stelle sich doch die Frage, so Wicker, „wer schafft das eigentlich genau in Deutschland?“

 

Zwei Diskutanten auf dem Podium blickten auf eine noch recht kurze Zeit in Deutschland zurück, die anderen beiden auf eine sehr lange. Trotz unterschiedlicher Hintergründe stimmten sie in einem wesentlichen Punkt überein: Ehrenamtliche Arbeit und aufgeschlossene Nachbarn hätten ihnen den Zugang zur Mehrheitsgesellschaft erleichtert. Der Fußballverein, die örtliche Flüchtlingshilfe und regelmäßig geöffnete Treffs ließen Kontakte entstehen, die Bestand haben.

Der Erfolg der direkten Begegnung: Alexander Wicker von den Bildungspartnern Main-Kinzig im Gespräch mitDr. Tevfik Severengiz, Youssouf Hamid, Hane Krasniqi und Atousa Shakeri (von links).

Für das Kennenlernen brauche es durchaus die Schritte beider Seiten aufeinander zu, betonte die Runde. „Das ehrenamtliche Engagement von den Privatleuten in Deutschland ist etwas sehr Begeisterndes“, sagte etwa Dr. Severengiz. Es biete auch viele Chancen für die Migranten, Freundschaften zu knüpfen, wenn diese zugleich die deutsche Sprache lernten. Sie müssten dazu aber durchaus auch eigene Anstrengungen leisten. Atousa Shakeri stimmte zu und berichtete, dass sie nicht nur vom Deutschunterricht profitiert habe, sondern auch davon, dass sie anschließend weitere Frauen und Männer in Deutsch unterrichtete und denen sie das Erlernte weitergeben konnte. Überhaupt engagieren sich alle vier Frauen und Männer im Bereich der Integrationsarbeit.

 

Ist das Erlernen der deutschen Sprache also alles? Zumindest „der Schlüssel“, wie sich die Frauen und Männer einig waren, im Übrigen auch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern. Letztere brachten in der Diskussion ihre eigenen Erfahrungen aus der Integrationsarbeit und als Integrationslotsen des Kreises ein.

 

Sie interessierten sich in ihren Beiträgen im Besonderen dafür, wie eine erfolgreiche Integration im Alltag verlaufen muss, damit das Kennenlernen in ein dauerhaftes Dazugehören und Mitmachen mündet, gerade auch im ehrenamtlichen Bereich. Keine leichte Frage, und deshalb mussten die Antworten an der Stelle auch individuell und vage bleiben. Sie fanden ihren gemeinsamen Kern in den direkten Begegnungen. „Ich bin einfach mal auf den Fußballplatz gegangen“, berichtete Youssouf Hamid, der so nach einiger Zeit mit der Mannschaft mittrainierte und irgendwann sogar im Kader der Seniorenmannschaft stand. Andere berichteten von erfolgreicher Netzwerkarbeit durch die Integrationslotsen. Letztlich habe aber vor allem die Erwerbsarbeit dafür gesorgt, die Integration zu erleichtern und auch „Akzeptanz“ zu erfahren.

 

Veranstaltungsreihe geht am 16. Mai weiter

Die gemeinsame Veranstaltungsreihe der Bildungspartner Main-Kinzig mit dem Integrationsbüro des Main-Kinzig-Kreises wird am Dienstag, 16. Mai, fortgesetzt. Mit dem Blick auf den rechtlichen Rahmen und aktuelle Migrations- und Fluchtbewegungen weltweit wird dabei der Fokus verbreitert. Für die Impulse sorgen Barbara Lueken und Anja Behrends von Amnesty International. Der Titel der vierten und letzten Veranstaltung am Dienstag, 20. Juni, lädt wiederum zu einem gezielten Perspektivwechsel ein. Thema ist an diesem Abend „Zivilgesellschaft, Geflüchtete, Polizei“, es referiert eingangs mit Mustafa Karaca der Migrationsbeauftragte der Polizeidirektion Main-Kinzig. Die Veranstaltungen finden jeweils von 18 bis 20.15 Uhr in den Räumen des Bildungshauses, Frankfurter Straße 30, in Gelnhausen statt. Der Eintritt ist frei, um eine Voranmeldung wird jedoch per Mail an [email protected] gebeten.

 

Außerhalb der Diskussionsreihe bieten die Veranstalter am Samstag, 20. Mai, im Bildungshaus in Gelnhausen ein Argumentations- und Handlungstraining gegen Rechtspopulismus an. Anmeldungen für dieses kostenlose Angebot sind per Mail an [email protected] möglich.

 

Bildunterschrift: 

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