Main-Kinzig-Kreis: 20 Prozentweniger Minijobs im Gastgewerbe

Wenn die Pandemie den Job kostet: Im Zuge der Coronakrise ist die Zahl der Minijobs im
Main-Kinzig-Kreis um 5 Prozent gesunken. Mitte vergangenen Jahres gab es rund
36.600 geringfügig entlohnte Arbeitsverhältnisse – ein Jahr zuvor waren es noch 38.500.
Besonders stark war der Rückgang im Gastgewerbe. In der Branche gingen binnen eines
Jahres 789 Minijobs verloren – ein Minus von 20 Prozent. Das teilt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mit und beruft sich hierbei auf neueste Zahlen der Bundesagentur


für Arbeit. „450-Euro-Kräfte zählen zu den Hauptverlierern der Wirtschaftskrise. Sie haben
bislang keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld, werden häufiger gekündigt und sind sozial
kaum abgesichert“, sagt Peter-Martin Cox, Geschäftsführer der NGG-Region Rhein-Main.
Die Statistik spiegele eine „enorme Unwucht“ auf dem heimischen Arbeitsmarkt wider.
Während dank staatlicher Hilfen wie der Kurzarbeit die Zahl der sozialversicherungspflichtigen
Stellen in der Region nahezu konstant geblieben sei, treffe die Pandemie prekär Beschäftigte
besonders hart. Nach dem Prinzip „Hire and Fire“ (Heuern und Feuern) lebten sie in ständiger
Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes. „Betroffen sind gerade Frauen, die eine 450-EuroStelle als Kellnerin oder Küchenhilfe oft als einzige Einnahmequelle haben. Auch für viele
Studierende, die sich nebenher etwas hinzuverdienen, sind die Folgen des Jobverlustes
dramatisch“, betont Cox.
Der Gewerkschafter kritisiert die Entlassungen, hat aber angesichts der historischen Krise
Verständnis für die Lage der Hotels und Restaurants. „Das Problem ist vielmehr, dass die
Politik durch abgabenfreie Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize setzt. Es ist höchste
Zeit, diese Stellen sozialversicherungspflichtig zu machen.“ Nur wenn Sozialabgaben,
Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungsbeiträge gezahlt würden, könnten Beschäftigte
wirksam geschützt werden.
Eine Heraufsetzung der Verdienstgrenze bei den Minijobs auf monatlich 600 Euro, wie sie
derzeit Teile der Union fordern, gehe dagegen „in die völlig falsche Richtung“, so Cox. Damit
werde eine prekäre Beschäftigungsform weiter ausgebaut, statt sie einzudämmen. Nach
Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) würden durch eine Heraufsetzung
bundesweit rund 470.000 Menschen mit regulären Stellen ungewollt zu Minijobbern. „Die
Corona-Krise hat den Blick auf viele gesellschaftliche Probleme gelenkt. Dazu gehören die
Minijobs. Die Politik muss hier arbeitsmarktpolitisch umsteuern“, fordert Cox.
Zum Vergleich: Laut Arbeitsagentur nahm die Zahl sozialversicherungspflichtiger Stellen im
Main-Kinzig-Kreis zwischen Juni 2019 und Juni 2020 um lediglich 1 Prozent ab

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