Märchenerzählung aus Steinau von Museum Brüder Grimm-Haus wiederentdeckt

Das Erdmännchen als Steinauer Erzählung

Jacob und Wilhelm Grimm haben viele Märchen während ihrer Kasseler Zeit zugetragen bekommen; mehrere etwa von der bekannten Beiträgerin Dorothea Viehmann aus Niederzwehren, dem heutigen Kasseler Stadtteil. Doch von vielen Märchen gibt es unterschiedliche Varianten, die aus verschiedenen Gegenden stammen. Nun ist dem Museum Brüder Grimm-Haus eine interessante (Wieder-) Entdeckung gelungen: Vom Märchen Nr. 91 der Kinder- und Hausmärchen „Dat Erdmänneken“ wird von einer Steinauer Erzählvariante berichtet, die bisher noch niemand wirklich einmal whargenommen hat!

Eigentlich war der Historiker Olaf Spielmann, der in den beiden Steinauer Museen vordergründig für die wissenschaftliche Inventarisierung verantwortlich ist, auf der Suche nach Informationen in Dokumenten über den Urgroßvater der Brüder Grimm, Friedrich Grimm der Ältere, welcher in Steinau die Tätigkeit des Kircheninspektors ausgeübt hat. Dass es nach über 200 Jahren zu diesem Zufallsfund eines Steinauers kam, ist auch der fortschreitenden Digitalisierung zu verdanken. Im Grimm-Portal, welches unter anderem die digitalisierten Bestände des Hessischen Staatsarchivs und der Universität Kassel von und mit Bezug zu den Brüdern Grimm online bereitstellt, kann nicht nur nach bibliographischen Suchbegriffen recherchiert werden, sondern auch mittels moderner Texterkennung in den Schriftstücken selbst. So wurde Spielmann auf den Wortlaut „Steinau im Hanauischen“ aufmerksam, der sich in den Anmerkungen der Handexemplare der Kinder- und Hausmärchen von Jacob und Wilhelm Grimm befindet. Steinau an der Straße war die Hauptstadt der Obergrafschaft Hanau, eine Exklave der Grafschaft Hanau, was diese Ortsangabe sofort zweifelsfrei als die Brüder-Grimm-Stadt auswies.

Was der studierte Historiker in diesem Digitalisat vorfand, entpuppte sich schnell als eine ganz andere Version des Märchens (die nur in indirekter Rede beschrieben ist). So werden in der Steinauer Erzählung etwa die beiden bösen Brüder am Ende in einen Sack voller Schlangen eingenäht und in den Abgrund geworfen. In den Kinder- und Hausmärchen, deren erster Band 1812 und deren zweiter Band 1815 erschien, fand sich stets eine familienfreundliche Fassung wieder. Das Erdmännchen hat übrigens nichts mit dem gleichnamigen Tier zu tun, sondern ist ein kleines graues Männchen mit einem langen weißen Bart, das in einem Erdhöhlenreich lebt. Insgesamt waren den Brüdern Grimm sechs verschiedene Varianten der Erzählung bekannt; 1. die Paderborner Erzählung (welche in Niederdeutsch in den Kinder- und Hausmärchen steht), 2. eine Kölner Erzählung, 3. eine Hannoveraner Erzählung, 4. die Steinauer Erzählung, 5. eine deutsch-schwedische Erzählung sowie 6. eine ungarische. Daneben existieren mehrere Märchen unter anderem Titel, die ähnliche Passagen und Elemente dieses Märchens aufgreifen. So weisen die Brüder Grimm in ihren Anmerkungen darauf hin, dass es auch mit ihrem Märchen „Der starke Hans“ (KHM 166) verwandt ist.

Erstaunlicherweise, das wurde im Nachhinein festgestellt, steht eine Kurzbeschreibung der Steinauer Erzählung mit der Verortung „aus Steinau im Hanauischen“ seit 2008 in der deutschen Wikipedia auf dem Lexikonartikel des Märchens sowie ebenso auf „maerchenlexikon.de“, was aber wohl keinem Menschen, der einen Bezug zu Steinau und zu den Brüdern Grimm hat, jemals aufgefallen ist. Spielmann und der Museumsleiter Burkhard Kling zeigten sich unisono erfreut darüber, daß die Brüder-Grimm-Stadt Steinau an der Straße also auch eine Märchenerzählung besitzt, die aus Steinau stammt: „Bestimmt findet dieses Thema noch für zukünftige Projekte Verwendung.“ Angedacht seien etwa eine Steinauer Mundartfassung oder auch ein Märchensonntag-Jubiläum mit der Steinauer Erzählung.

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