Der Bauernhof als „Lernfeld“ für Schulklassen

Main-Kinzig-Kreis. – Wie der Käse im Supermarkt, eingewickelt in seine bunte Plastik- und Papierverpackung, einmal produziert worden ist, davon haben Käufer immer seltener eine realistische Vorstellung. Für die Produktion war Milch nötig – aber wer hat die geliefert und was war dafür nötig? „Gerade unter Jüngeren und gerade auch in städtischeren Regionen geht der Bezug zur landwirtschaftlichen Produktion immer weiter verloren“, bedauert Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler. „Wir wollen jetzt einen besonderen Fokus darauf legen, dass das Wissen über und die Wertschätzung von Landwirtschaft wieder steigt. Dazu laden wir Kinder und Jugendliche gezielt dazu ein, Höfe zu besuchen und Hof- und Feldarbeit kennenzulernen.“

 

Simmler, die zuständige Dezernentin für den Bereich Landwirtschaft im Main-Kinzig-Kreis, hat dazu das Projekt „Lernfeld Landwirtschaft“ ins Leben gerufen. Es soll Kindergartengruppen und Schulklassen ermöglichen, heimische Betriebe zu besuchen. Vom Tagesausflug bis zur Projektwoche könnten sie sich dort auf unterschiedliche Weise damit befassen, welche Arbeitsschritte „vom Ei im Hühnerstall bis zum Kuchen beim Bäcker oder von der Kuh im Stall bis zum Käse im Einzelhandel“ nötig seien, bringt es Simmler auf den Punkt.

 

Mit einer ersten Veranstaltung für Landwirtinnen und Landwirte im Main-Kinzig-Forum schien sie schon mal einen Nerv getroffen zu haben. Rund 80 Frauen und Männer waren der Einladung von Susanne Simmler gefolgt, von Betrieben aus allen Teilen des Kreises. Mit Kreislandwirt Bruno Wörner befand sich auch ein prominenter Fürsprecher des Projekts „Lernfeld Landwirtschaft“ im Publikum. „Die Hemmschwelle eines Besuchers, auf einen Hof zu kommen, wird immer größer“, berichtete er. Das sei Resultat davon, dass der Bezug zur Landwirtschaft allgemein, zur Regionalität von Produkten und auch zum jahreszeitlichen Einfluss auf das Produktangebot verloren gegangen sei. „Es überrascht mittlerweile schon viele Menschen, wenn man ihnen sagt, dass es im Dezember keine frischen Erdbeeren geben kann“, gab er ein Beispiel. „Wir müssen wieder versuchen, Grundwissen in die Köpfe der Leute zu bekommen. Da müssen wir vor allem bei der jüngsten Generation ansetzen.“

 

Seit einigen Jahren laufen bereits bundesweit Projekte, die den „Bauernhof als Klassenzimmer“ nutzen. Wer seinen Hof in Hessen für Kindergruppen öffnet, erhält ideelle Unterstützung durch das Landwirtschaftsministerium in Wiesbaden. Eine Aufwandsentschädigung gibt es überwiegend nicht. Im Main-Kinzig-Kreis soll das anders sein. Die Erste Kreisbeigeordnete Simmler hat einen Fördertopf eingerichtet; daraus speist sich eine finanzielle Anerkennung für all jene, die eine Führung über den Hof anbieten und Einblicke in die Arbeit von Bauern geben.

 

„Diese Führungen müssen nicht unbedingt die Landwirte selbst machen. Ich weiß, dass deren Tage meistens sehr eng getaktet sind. Daher fördern wir auch Interessierte, die solche Besichtigungen organisieren und durch die Ställe führen wollen, auch wenn sie nicht direkt auf dem Hof mitarbeiten“, führte Simmler weiter aus. Mittels „Bauernhofbegleiter“ können die Betriebe Einblicke bieten, ohne für mehrere Stunden Personal für die Kindergruppen abstellen zu müssen. Ziel sei es, so Simmler, dass nicht nur große Höfe solche Führungen ermöglichen, sondern dass auch kleinere Betriebe daran teilnehmen können. Möglich sei das, wie Landwirt Christian Hartmann aus Hofbieber anschaulich mit Beispielen aus der eigenen Arbeit unterfütterte.

 

Angesichts dieses umfangreichen Konzepts sprach Joachim Diesner vom zuständigen Ministerium in Wiesbaden anerkennend von „einem unserer Vorzeigelandkreise“. „Grundsätzlich eint uns alle das gemeinsame Ziel, dass Kinder auf einem Hof etwas sehen und buchstäblich begreifen. Das sind Erfahrungen, die sie ein Leben lang behalten“, so Diesner. Vor allem könnten diese Hofbesuche die idealisierten Bilder eines Bauernhoflebens etwas zurechtrücken. „Das Idealbild eines Bauernhofs wie in einem bunten Bilderbuch hat es so nie gegeben.“

 

Staatliches Schulamt eingebunden

Ein großer Teil der Gäste im Main-Kinzig-Forum bekundete Interesse an dem Projekt. Susanne Simmler bot ihnen an, dass der Kreis die Verknüpfung zwischen Landwirtschaft und Schulen übernehmen könne. Mit dem Staatlichen Schulamt habe sie bereits Gespräche geführt. In naher Zukunft soll das Projekt auch den Lehrern bekannt gemacht werden.

Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (Mitte) diskutierte mit Kreislandwirt Bruno Wörner, Joachim Diesner (je rechts daneben) und Landwirtinnen und Landwirten aus dem Main-Kinzig-Kreis das Projekt „Lernfeld Landwirtschaft“.

„Wir brauchen natürlich auf beiden Seiten die Bereitschaft, das ‚Lernfeld Landwirtschaft‘ mit Leben zu füllen, bei den Landwirten wie auch bei den Schulen“, erklärte Simmler. Die Erste Kreisbeigeordnete berichtete davon, dass die Leiterin des Staatlichen Schulamts, Sylvia Ruppel, von dem Konzept sehr angetan gewesen sei. „Teilweise pflegen einzelne Schulen bereits den Kontakt zu Höfen in der Nähe zur Schule. Wir wollen diesen Austausch nun in die Fläche bringen.“

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