Interview mit Sebastian Lübeck

Die Saison 2020/21 startete für die Ebbecke White Wings vergleichsweise holprig, endete dann aber umso erfreulicher. Nicht nur hat das Team die anvisierten Playoffs erreicht, es gelang dort sogar, in die zweite Runde einzuziehen. Damit zählen die Grimmstädter zu den Top 8 der BARMER 2. Basketball Bundesliga ProB und rangieren sogar unter den zwei besten Teams der Südstaffel. Geschäftsführer Sebastian Lübeck resümiert im Interview noch einmal die außergewöhnliche Spielzeit und gibt zudem einen Ausblick auf die kommende Saison.

Bevor wir über die aktuelle Saison sprechen, lass uns einen kleinen Schritt zurück gehen. Denn die Saison 2019/20 endete nach einer zwischenzeitlich etwas enttäuschenden Schwächephase und einem anschließenden Trainerwechsel äußerst positiv. Die White Wings hatten eine starke Siegesserie im Rücken und mit dieser einen Platz in den Playoffs erkämpft – sogar mit Heimrecht. Die Playoffs fielen dann aufgrund der COVID-19-Pandemie ins Wasser. Wie enttäuschend war dieses Saisonende im Nachgang für die Spieler aber auch die Verantwortlichen im Hintergrund?

Wir alle waren sehr enttäuscht! Wir waren fest davon überzeugt, einen tiefen Playoff-Run hinlegen zu können. Zum Ende der Saison wurde das Team immer stärker und hätte noch ordentlich für Furore sorgen können! Da sind wir uns auch heute noch einig, wenn wir mit (ehemaligen) Spielern darüber sprechen.

Corona hatte dann auch die neue Saison 2020/21 im Griff und gestaltete diese außergewöhnlich – mitunter vermutlich auch außergewöhnlich anstrengend. Lange Zeit war nicht klar, wann der erste Spieltag denn nun stattfinden wird. Als die ersten Termine endlich klar waren, musste das Team sich direkt in eine zweiwöchige Quarantäne begeben. Wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Es war ein Auf und Ab. Natürlich waren wir froh, als wir wussten, dass es endlich losgeht. Dann kamen das Trainingsverbot sowie die erste Quarantäne-Phase. Das hat alle Planungen und Ziele zuerst einmal über Bord geworfen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir glücklicherweise keinerlei Berührungspunkte mit dem Virus gehabt. Die Maßnahmen haben gegriffen und allen war klar, dass es eine besondere Saison werden würde. Die daraus resultierende Unsicherheit aufgrund des chaotischen Saisonstarts hat man der jungen, unerfahrenen und neu zusammengestellten Mannschaft ja wie bekannt angesehen.

Ein großer Teil der Vorbereitung war darauf fokussiert, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, um eine gefahrfreie Publikumsbeteiligung zu ermöglichen. Am Ende fand dann die gesamte Saison ganz ohne Fans statt. Wie sehr hat diese Komponente am Ende auch für die Spieler auf dem Feld gefehlt?

Ich glaube, das ist in Worten gar nicht auszudrücken. Dass es eine Saison mit weniger Hallenauslastung als möglich werden würde, war allen Beteiligten klar und wäre auch in Ordnung gewesen aufgrund der Umstände. Als aber immer mehr klar wurde, dass die komplette Saison ohne Zuschauer stattfinden würde, herrschte erst einmal schlechte Stimmung. Letzten Endes fightet man Wochenende für Wochenende auch für die eigenen Fans, die Stadt, die Sponsoren und das am liebsten gemeinsam mit ihnen in der Halle. Vor allem in Momenten, in denen es auf dem Spielfeld mal nicht lief, fehlte natürlich der emotionale Push von außen. Aber auch in Phasen, wo es gut lief, fehlte die Begeisterung und die Atmosphäre auf den Rängen. Es war eine extrem schwierige Situation, da das Team letztlich selbst für Stimmung sorgen musste.

Um den Fans dennoch eine Beteiligung an der Saison zu ermöglichen, habt ihr euch an einem Livestream-Angebot auf Sportdeutschland.TV beteiligt. Wie bewertest du diese Erfahrung im Nachgang?

Ich denke, es war die absolut richtige Entscheidung, einen Livestream auf die Beine zu stellen. Das hat den Fans und Partnern die Möglichkeit geboten, dennoch an den Spielen teilzunehmen, wenn auch nur virtuell. Mit unserem Kommentatoren-Duo Sebastian Köhnert und Sven Witt waren wir auch fachlich perfekt ausgestattet.

Ist es für euch eine Option, auch in der kommenden Saison wieder einen Livestream anzubieten?

Grundsätzlich können wir uns schon vorstellen, den Livestream auch weiterhin anzubieten. Es ist gut möglich, dass auch zu Beginn der neuen Saison 21/22 nur eine begrenzte Anzahl an Zuschauern erlaubt sein wird. Oder dass es auch Menschen gibt, die noch vorsichtig sind und nicht gleich wieder mit größeren Menschenansammlungen zu tun haben wollen. Diese Situationen könnten wir damit auffangen.

Im Vorfeld der Saison lautete die klare Message an Fans und Sponsoren, dass ihr einen ehrlichen Neuanfang wagen möchtet. Entsprechend habt ihr einen Kader zusammengestellt, der vor allem auf vielversprechende junge Talente setzt, ergänzt um einige erfahrene Leistungsträger. War dieser Schritt der Neuerfindung des Hanauer Basketballs überfällig?

Unserer Meinung nach ja! Natürlich ist es immer einfach gesagt, dass man als Basketballstandort junge Spieler entwickeln und fördern möchte. Das will zunächst einmal jeder Verein. Wir aber haben gezeigt, dass wir das Konzept beziehungsweise die Philosophie auch umsetzen. Das haben wir ja auch immer offen und transparent kommuniziert, sowohl in Richtung der Spieler als auch unserem Trainer und den Partnern. Und der Erfolg gibt uns Recht! Wir sind am Ende auf Platz sechs der Gesamt-ProB gelandet und obwohl wir nur als Achter aus dem Süden in die Playoffs eingezogen sind, waren wir am Ende das zweitbeste der Südstaffel hinter dem Erstplatzierten Dresden. Ein interessanter Punkt in der Hinsicht ist, dass wir diese Saison erstmals in der Geschichte der White Wings auch eine Ausschüttung aus dem Ausbildungs-Fonds der Liga erhalten haben und nicht nur einzahlen müssen. Das sollte Beweis genug sein, dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben!

Mit diesem neuen Kader hattet ihr euch das sportliche Ziel gesetzt, die Playoffs zu erreichen. Dann kam die Quarantäne – gefolgt von einer schwierigen Schwächephase direkt zu Beginn. Die ersten fünf Spiele in Folge wurden verloren. Gerade für junge Teams ist eine solche Phase sehr schwer, das Momentum kann leicht kippen und zu erhöhtem Frust führen. Wie geht man hinter den Kulissen damit um?

Natürlich waren wir nicht happy nach einem 0-5 Start. Aber wir haben regelmäßig zusammengesessen und analysiert. Dazu hat unser Trainer immer wieder gesagt, dass er von dem Team überzeugt ist, wir unsere Spiele gewinnen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben werden. Auch wenn im Umfeld Unruhe aufkam, haben wir unseren Kurs beibehalten. Ein wichtiger Baustein war zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit die Verpflichtung von Michael Acosta.

Wie wichtig ist aus deiner Sicht auch für den weiteren Saisonverlauf der dann folgende, knappe Sieg im ersten Südhessen-Derby gegen Frankfurt zu bewerten?

Ich glaube, das war ein Schlüsselmoment für Team und Trainer! Alle haben gemerkt, dass sich die harte Arbeit und die Geduld auszahlt, wenn man weiter an sich glaubt. Auch wenn es danach weiterhin ein Auf und Ab in den Ergebnissen gab, hat man gemerkt, dass das Team sich entwickelt und Selbstbewusstsein anhäuft.

In den darauffolgenden Wochen hat sich, wie du bereits erwähnt hast, die Leistung des Teams immer weiter stabilisiert. Als Gegner galten die White Wings in der Folge als zunehmend unberechenbar, da sich die Leistung nur selten auf klare Topscorer konzentrierte. Gibt es ein Hanauer Geheimrezept, wie ihr diese Teamchemie erzeugt habt?

Ich glaube, dass das Team selbst dafür verantwortlich war. Durch die Corona-Situation und die daraus resultierenden limitierten Möglichkeiten abseits des Basketballs hat das Team schneller und intensiver zusammengefunden und eine Dynamik entwickelt, die sich immer mehr auf dem Feld gezeigt hatte. Unabhängig davon, wer gerade einen guten Tag hatte, wer gesund oder wer verletzt war – das Team hielt zusammen und hat sich unter Führung des Coaching-Duos weiterentwickelt.

Innerhalb der Saison kam es immer mal wieder zu positiven Corona Fällen, auch innerhalb des Hanauer Teams. Gab es einen Moment, an dem du Sorge darum hattest, dass auch die Saison 2020/21 eventuell ein verfrühtes Ende finden könnte?

Absolut und es gab sogar Momente, in denen ich dachte, dass es vielleicht sogar besser sei, die Saison zu beenden. Gerade im Winter, als die Infektionszahlen explodierten fragten wir uns zwischendurch schon, ob es sinnvoll sei, den Spielbetrieb mit aller Macht durchzuboxen. Davon war ich ehrlicherweise nicht immer zu 100% überzeugt. Auf der anderen Seite muss man sich aber auch der Verantwortung bewusst sein, die man hat. Wir hatten und haben das Privileg, unseren Beruf weiterhin ausüben zu dürfen, während viele andere Menschen dazu gezwungen sind, zu Hause zu bleiben. Dabei können sich ganz andere Sorgen und Probleme entwickeln. Dieser Verantwortung wird man sich bewusst und deswegen war es unser oberstes Ziel, mit allen Möglichkeiten und unter Berücksichtigung aller Maßnahmen die Saison bestmöglich durchzuziehen.

Am Ende der regulären Saison hatten die White Wings ihr Saisonziel erreicht und sich in der Folge nicht nur mit drei Playoff Spielen für die harte Arbeit belohnt, sondern dank starker Leistungen gegen Karlsruhe und Düsseldorf sogar die zweite Runde klargemacht. Hattest du am Anfang der Saison damit gerechnet, dass die Mannschaft eine solche Leistungssteigerung schafft?

Gerechnet vielleicht nicht, aber gehofft natürlich schon! Man hat ja, wenn die Teamzusammenstellung abgeschlossen ist, immer gewisse Vorstellungen und Wünsche. Wie performen die einzelnen Spieler, wie ergänzen sie sich im Team, kann der Coach seine Strategie mit dem Team vollumfänglich umsetzen? Das war für uns genauso ein Auf und Ab! Nach dem überragenden Januar mit 4 Siegen aus 5 Spielen hatten wir aber so langsam ein Gefühl dafür bekommen, was mit dieser Mannschaft möglich ist. Dass es am Ende sogar die zweite Runde wurde, ist eine kleine Sensation und wir genießen das auch jetzt noch.

Mannschaftskapitän Josef Eichler hatte dem Team sowohl zu Beginn als auch zum Ende der Saison gefehlt. Und auch Matthias Fichtner fehlte in einer entscheidenden Phase der Saison. Das Team rückte dann aber gerade in den Playoffs noch einmal enger zusammen und kompensierte diese personellen Ausfälle. Kommt man da nicht auch ein wenig ins Träumen, wie weit es das Team wohl hätte schaffen können, wären die Verletzungen nicht gewesen?

Klar sitzt man im Büro und macht sich so seine Gedanken. Was wäre gewesen, wäre Josef nicht unglücklich mit zwei Verletzungen durch die Saison gegangen, hätte Matthias sich nach aufsteigender Form nicht im Training die Bänder gerissen, wäre Michael Acosta bis Saisonende geblieben? All das sind Gedanken, die einem durch den Kopf schwirren und ein wenig träumen lassen. Das gehört auch dazu. Zum Glück ist die Realität aber ja auch nicht so viel schlechter!

Sportlich habt ihr in dieser Saison mehr erreicht, als viele euch zugetraut hatten. Hand aufs Herz: Wie stolz bist du auf diese Mannschaft?

Extrem stolz! Und nicht nur ich! Bei allen Personen im Management, im Gesellschafterkreis und mit Sicherheit auch bei den Fans und Partnern überwiegt der Stolz über das Erreichte, auch wenn die meisten nicht live dabei sein konnten. Wir dürfen zurecht alle gemeinsam stolz auf das Erreichte sein. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns darauf nun ausruhen sollten. Es gilt nun, diese Leistung zu bestätigen. Wir hoffen natürlich, dass wir dies mit vielen der diesjährigen Spieler weiterführen können. Aber der Erfolg weckt natürlich auch Begehrlichkeiten. Wir müssen schauen, dass wir wirtschaftlich bei anderen Angeboten mithalten können und, wenn dies nicht der Fall ist, neue junge hungrige Spieler finden, die die Chancen bei uns nutzen wollen.

Möchte man besonders selbstkritisch mit sich ins Gericht gehen, gab es in dieser Saison auch hier und da Defizite. Die Rebound Quote war beispielsweise über beinahe die gesamte Saison sehr schwach, auch bedingt dadurch, dass die White Wings nicht viele große Spieler im Aufgebot hatten. Welche Schlüsse ziehst du daraus für die kommende Saison?

Das war natürlich zum Teil schon heftig, aber unterm Strich konnten wir das in vielen Spielen trotzdem irgendwie kompensieren. Als es dann jedoch in die Playoffs ging, in denen jeder Sieg zählte, wurden uns dann auch Grenzen aufgezeigt. Das hat man in den Spielen gegen Bochum und Münster deutlich gesehen. Und natürlich wird das einer der Punkte sein, die wir in der kommenden Saison besser machen wollen.

Apropos kommende Saison – kannst du den Fans vielleicht schon einen kleinen Ausblick geben, was für die Spielzeit 2021/22 geplant ist?

Wir bereits erwähnt, wollen wir möglichst viele Spieler aus der aktuellen Mannschaft halten, da die Entwicklung der einzelnen Spieler und des Teams noch lange nicht am Ende ist. Ob das funktioniert, kann ich derzeit leider noch nicht sagen. Was ich aber sagen kann, ist, dass es auch nächste Saison einen interessanten Mix aus jungen, hungrigen Talenten und erfahrenen Spielern geben wird, die Bock darauf haben, die Erfolge der Saison 2020/21 zu bestätigen. Im Idealfall ist das dann auch wieder vor einer tollen Kulisse aus Fans und Partnern der White Wings in der Main-Kinzig-Halle möglich.

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