Simmler: „Der Pflege fehlt bis heute noch die starke Lobby“

 

Main-Kinzig-Kreis. – „Zur guten Pflege gehören gutes Pflegepersonal und die Nähe der Menschen zu ihrer vertrauten Heimat“, erklärt Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai. Daher wolle der Main-Kinzig-Kreis weiterhin gezielt neue Projekte in den Städten und Gemeinden anstoßen und habe sich beim Land Hessen als „Modellkommune Pflege“ beworben. „Vor zwei Jahren ist diese Idee mit viel Bohei durch die Landesregierung gepriesen und bereits präsentiert worden. Vor einem halben Jahr hat sich der Kreistag einstimmig für eine Bewerbung ausgesprochen und so früh wie möglich, nämlich im Januar, haben wir als Kreis den Antrag beim Land eingereicht. Aber bis heute haben sich die Beteiligten noch nicht mal auf die Vergabekriterien einigen können“, moniert Simmler.

 

Susanne Simmler fordert einen zügigeren Ausbau der Pflege in der Fläche. Im Kreisgebiet komme der nicht zuletzt durch die Bewilligung zweier weiterer Pflegestützpunkte voran, die derzeit in Hanau und Schlüchtern aufgebaut werden. Die Grundlage für deren Arbeit bereitet der Main-Kinzig-Kreis derzeit bereits vor: „Wir wollen, dass jede Familie, in der ein Pflegefall eintritt, schnell das Angebot im Ort findet, das für sie das richtige ist. Im ersten Schritt nehmen wir eine Bestandserhebung über alle schon verfügbaren Angebote vor und schauen uns die Bevölkerungsstruktur vor Ort an. Im zweiten Schritt entwickeln wir daraus Konzepte, wie Lücken bei den örtlichen Angeboten geschlossen werden können, etwa im Bereich der häuslichen Pflege“, so Simmler.

 

An der Stelle könnte der Kreis als Modellkommune Pflege ansetzen. Susanne Simmler denkt an eine stärkere Vernetzung zwischen Medizinern und Pflegediensten, ebenso wie an das Ausprobieren neuer Wohnformen. Wichtig ist aus Sicht der Ersten Kreisbeigeordneten, dass über neue, innovative Projekte von den Akteuren vor Ort entschieden werde. Die Pflegeversicherung und die Krankenkassen sollten ihrer Meinung nach „nicht mehr alleine in Städten außerhalb unseres Kreises darüber brüten, ob in Gelnhausen oder Steinau oder Nidderau ein neues Angebot finanziert wird oder nicht“.

 

Als Modellkommune hätten die Entscheidungsträger vor Ort ein Mitspracherecht und könnten ihren Wissensvorsprung nutzen. Neue Projekte könnten zügiger und transparenter gefördert und ausgebaut werden. Nicht zuletzt erhielten sie die nötige Finanzierung für derlei Pilotprojekte. Simmler fordert daher die Bundes- und Landesregierung auf, eine zügige Festlegung der Vergabekriterien herbeizuführen. Umso schneller könnten neue Wege in der Pflegearbeit ausgetestet werden, erklärt Simmler.

 

„Dem Pflegebereich fehlt leider bis heute noch eine starke Lobby. Immer mehr Menschen werden in den nächsten Jahren auf häusliche und stationäre Pflege angewiesen sein, aber anders als bei der ausreichenden Finanzierung von Krankenhäusern rückt die Frage nach der ausreichend finanzierten Pflege im Alter viel zu selten in den Mittelpunkt“, so Simmler. Das „drohende Alter“ werde eher verdrängt. Das mache den Ausbau der Pflege nicht einfacher und auch nicht preiswerter.

 

Ein negatives Beispiel nennt Simmler. Nach Erfahrungen des Main-Kinzig-Kreises bekommen Demenzkranke, die zu Hause leben, seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes III im Januar überwiegend niedrigere Leistungen bewilligt als vorher. „Es findet keine Stärkung sondern eine finanzielle Schlechterstellung ausgerechnet in dem Bereich statt, der in Zukunft immer wichtiger werden wird, nämlich bei der Pflege von dementiell Erkrankten im häuslichen Umfeld. Ich werde prüfen lassen, wie genau diese Ergebnisse bei der Begutachtung zustandekommen“, kündigte Simmler an. Zugleich begrüßte sie es, dass die Zahl der Leistungsanträge auf Hilfe zur Pflege nach SGB XII zuletzt deutlich gestiegen sei. Immer mehr Bürgerinnen und Bürger nutzten die Fördermöglichkeiten, die ihnen zustehen und im Alltag auch weiterhelfen.

 

„Gute Pflege steht und fällt mit der Finanzierung des gesamten Bereichs, insbesondere des Personals. Die Alten- und Pflegezentren des Main-Kinzig-Kreises bezahlen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Tarif und legen großen Wert auf eine gute und attraktive Ausbildung. Das muss der Maßstab sein, an den wir zum Tag der Pflege gerne erinnern“, sagt Simmler.

(Main-Kinzig-Kreis)

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