Neues zu Industrie und Umwelt in der Region 

IHK-Ausschuss für Industrie und Umwelt informierte sich über die Bedeutung der Industrie vor Ort, das intelligente Recyceln und das Fahren mit Wasserstoff
Wie stark ist die Industrie in der Metropolregion FrankfurtRheinMain? Auf welchen Feldern ist die Region stärker beziehungsweise schwächer aufgestellt als vergleichbare deutsche Ballungsräume? Und an welchen Stellschrauben ist zu drehen, um die Industrie in und um Hanau zu stärken? Außerdem: Was will das „Ressourcencluster Rhein Main, Fraunhofer Alzenau / Hanau“ erreichen und kann das Projekt „H2anau – Wasserstoff bewegt“ unsere Mobilität revolutionieren? Drei hoch spannende Themen behandelte der Industrie- und Umweltausschuss der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern am 9. Mai auf seiner Sitzung bei Evonik im Industriepark Wolfgang in Hanau. Der Ausschuss-Vorsitzende Reinhard Wachter konnte nicht nur über 20 interessierte Unternehmerkollegen begrüßen, sondern auch vier sachkundige Referenten.

Was schadet dem Netzwerk Industrie? 
„Das Netzwerk Industrie in der Metropolregion FrankfurtRheinMain – Bedeutung, Struktur, Entwicklungen, Trends“ war der Vertrag überschrieben, den Dr. Rainer Behrend, Inhaber des „Behrend Institut Wirtschaftsforschung / Politikberatung“ in Frankfurt am Main hielt. Der Volkswirt hatte jüngst gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) eine Studie vorgelegt. Behrend belegte, dass in und um Frankfurt herum die Industrie immer weniger Menschen beschäftigt. Sie erleidet deswegen aber keinen Bedeutungsverlust, weil Produktion und Dienstleistung heute viel enger miteinander verzahnt sind. Seit 2008 ist ein modernes Netzwerk Industrie entstanden, zu dem auch die industrienahe Dienstleistungsbranche gehört. „Neben dem engen Kreis mit Arbeitnehmerüberlassung und Service-Aufgaben wie Marketing, Großhandel, Beratung, Abfallwirtschaft oder IT gehören heute auch entferntere Dienstleister wie Kurierdienste, Rechtsberatungen oder auch Finanzdienstleister zum Netzwerk Industrie“, umriss Behrend das Netzwerk. Eine Folge: Immer mehr Dienstleister sind abhängig von Industrieaufträgen. Werden die Beschäftigtenzahlen dementsprechend interpretiert, dann arbeiten in FrankfurtRheinMain gut 800.000 Menschen im engeren Netzwerk Industrie, davon 65.000 im Main-Kinzig-Kreis – also rund die Hälfte aller Beschäftigten im Landkreis.

Dr. Rainer Behrend umriss die Lage der Industrie vor Ort. Er deckte unnötige lokale Schwachstellen auf – etwa den mangelhaften öffentlichen Personennahverkehr und die völlig unzureichende Zahl an Parkplätzen in Gewerbegebieten.

Weitere wichtige Erkenntnis: Das Netzwerk Industrie in FrankfurtRheinMain entwickelt sich seit 2008 weit weniger dynamisch als in den vergleichbaren Ballungsräumen rund um Hamburg, Nürnberg, München, Stuttgart und Mannheim / Ludwigshafen. Die Gründe dafür wurden in 700 Tiefeninterviews erkundet. Demnach befeuern vor allem die mittelgroßen Unternehmen das Beschäftigungswachstum. Aber diese Unternehmen stehen bei uns vor zwei erheblichen Herausforderungen: Erstens stellt der leergefegte Arbeitsmarkt ihnen kaum noch Fachkräfte zur Verfügung. Das zwingt auch die Unternehmen im Main-Kinzig-Kreis zum Verzicht auf Erweiterungen oder zur Verlagerung von Teilen der Produktion. Das zweite große Manko: Der unzureichende öffentliche Personennahverkehr, die Verkehrsdichte und der Mangel an Parkplätzen in Gewerbegebieten. Die Betriebe sind nicht mehr leicht erreichbar. Das schreckt junge Fachkräfte, die nach ihrem Studium oder ihrer Ausbildung ihre Karriere starten möchten, ab.

„Die hessische Verkehrspolitik hat geschlafen und schläft noch immer weiter. Wir werden unserer Chancen beraubt“, lautete denn auch ein auf viel Zustimmung treffender Kommentar zu den Ausführungen über das Netzwerk Industrie. Der Ausschuss-Vorsitzende Reinhard Wachter verwies darüber hinaus auf ein gesellschaftliches Problem: „Viele Menschen haben den Kontakt zur Industrie verloren. Sie verstehen sich als Dienstleister, selbst wenn sie direkt für einen Industriebetrieb arbeiten. Dieser Abstand sorgt schleichend für immer weniger Akzeptanz der Industrie in unserer Gesellschaft“, warnte Wachter.

Neues zum Fraunhofer-Institut und zur Wasserstoffmobilität
Anschließend stellten Dr. Andreas Stegmüller von der „Fraunhofer-Projektgruppe IWKS Hanau / Alzenau“ und Wolfgang Jäger, Inhaber der Firma Polymertechnik W. Jäger in Dreieich, das Ressourcen-Cluster Rhein-Main und erste Forschungsergebnisse vor. Nicht nur Handys, Akkus und LED-Lampen, selbst Verbundstoffe aus Metallen, Kunststoffen und Gummi können mittlerweile sortenrein getrennt und danach ohne Qualitätsverlust zurück in den Wertstoffkreislauf wandern. Noch liegen die Kosten aber teilweise oberhalb der Deponiegebühren.

Bernd Vendt (r.), Standortleiter im Industriepark Wolfgang, zeigte den Mitgliedern des IHK-Industrie- und Umweltausschusses unter anderem, wo die neue Wasserstoff-Zapfstelle errichtet werden soll. Nicht nur Dr. Andreas Stegmüller (2.v.r.) vom Fraunhofer-Institut und der Ausschuss-Vorsitzende Reinhard Wachter (3.v.r.) zeigten sich sehr interessiert.

Evonik-Standortleiter Bernd Vendt präsentierte vor einem Rundgang über das Gelände des Industrieparks die Planungen zu „H2anau – Wasserstoff bewegt“: Wasserstoff als Energieträger soll sieben Kleintransporter drei Jahre lang in einem Forschungsprojekt antreiben. Sechs Unternehmen und Einrichtungen aus der Region beteiligen sich an dem Projekt. Wichtig: Die Pkws fahren nicht mit Verbrennungsmotoren, sondern erhalten einen Hybridantrieb. Die antreibende Lithium-Ionen-Batterie wird mittels Brennstoffzelle vom mitgeführten Wasserstofftank wieder aufgeladen. Der Wasserstoff wiederum lässt sich regenerativ erzeugen. Für das im August startende Forschungsprojekt, es ist das erste seiner Art in Deutschland, schafft der Industriepark eine eigene Wasserstoff-Zapfstelle an. Es ist davon auszugehen, dass die Kleintransporter so schnell wie herkömmliche Pkw betankt werden und unabhängig von der Witterung eine Reichweite von über 300 km erzielen können. In den kommenden drei Jahren wird sich zeigen, ob Pkw mit diesem Antrieb wirtschaftlich betrieben werden können.

(IHK/ Fotos: IHK)

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen