Zwischen Teenager-Problemen und Mord

Knarzende Dielen, ein großer alter Sessel, in dessen champagnerfarbenen Stoff verspielte Ornamente geprägt sind, indirekte Beleuchtung und ein sehr aufmerksames Publikum bilden die Kulisse für die schlanke Frau mit ihrer rotblonden Mähne, die mit sonorer Stimme in ein Mikrophon spricht.  Märchenstunde? Weit gefehlt. Die Wiener Bestsellerautorin Ursula Poznanski liest im Restaurant Kaufmann’s in Meerholz aus ihrem neuen Jugendthriller „Elanus“ und begeistert das altersgemischte Fanpublikum. Aber nicht nur wegen ihrer Sprachgewandtheit und ihrer fesselnden Geschichten, sondern auch wegen ihrer unprätentiösen und lesernahen Art.

Claudia Beck, Leiterin der städtischen Grimmelshausen-Bibliothek, und ihrem Team gelingt es, die Autorin für eine Lesung zum 70. Geburtstag der Stadtbücherei zu gewinnen. Auch wenn der Name Ursula Poznanski hierzulande nicht sehr bekannt sein mag, in Meerholz trifft sie auf eingefleischte erwachsene und jugendliche Fans, die vermutlich nicht damit gerechnet haben, der 48-jährigen Autorin einmal hautnah sozusagen „vor der Haustüre“ zu begegnen. Was aber, wenn die Lieblingsschriftstellerin in der persönlichen Begegnung nicht hält, was ihre geschriebenen Worte versprechen? Es stellt sich schnell heraus, dass diese Angst bei Ursula Poznanski völlig unbegründet ist. Die Fans treffen auf eine sympathische, offene Frau in Jeans, Stiefeln und Bluse, mit rotblonder Mähne und Alt-Stimme mit leichtem österreichischem  Akzent. Sie kommt 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung und startet sogleich gut gelaunt mit dem Signieren ihrer Bücher. Die Gelnhäuser Brentano-Buchhandlung sorgt für Nachschub, einige Gäste stöbern in den angebotenen Werken und verschaffen sich einen Überblick über das literarische Wirken der Wienerin. Die stellt sich auch für gemeinsame Handyfotos zur Verfügung, an denen vor allem ihre jugendlichen Leser interessiert sind.

Die etwa 45 Minuten, in denen Ursula Poznanski aus ihrem Jugendthriller „Elanus“ liest, vergehen wie im Flug und die Zuhörer freuen sich, dass sie nun Fragen stellen können. Die beziehen sich auf das schriftstellerische Wirken der Wienerin, aber auch auf ihr persönliches Umfeld. Poznanski arbeitet viele Jahre als Medizinjournalistin, bevor sich die Mutter eines Sohnes als Autorin selbstständig macht. „Jetzt lebe ich ein selbstbestimmteres Leben als vorher. Ich kann mir meine Zeit frei einteilen. Nein, zurücktauschen möchte ich nicht mehr – auch finanziell nicht“, sagt sie und lacht. Zunächst schreibt sie Bücher für Kinder, „mit wenig Text“ wie sie augenzwinkernd zugibt. Mit ihrem ersten Jugendthriller „Erebos“ kann sie sich beim Loewe-Verlag positionieren, erhält für das Werk 2011 den deutschen Jugendliteraturpreis. Es folgen weitere Jugendbücher, eine Dystopie in drei Teilen und beim Wunderlich-Verlag Thriller für Erwachsene, in deren Mittelpunkt das Ermittlerteam Beatrice Kaspary und Florin  Wenninger steht. Ursula Poznanski signalisiert während der Fragerunde im Kaufmann’s, dass sie diese Krimi-Reihe noch fortsetzen wird, „aber irgendwann wird für die beiden Schluss sein. Dann ist alles erzählt.“ Die interessierten Zuhörer erfahren mehr über ihre Zusammenarbeit mit Arno Strobel, mit dem sie zwei Krimis geschrieben hat, erfahren, dass die Autorin meist auf ihrer Relaxliege per Notebook in ihre selbst kreierten Geschichten abtaucht, im Schnitt 1300 Worte pro Tag schreibt – „manchmal sind es auch nur 800“ – und vorzugsweise im Internet recherchiert. Leute aus ihrem direkten Umfeld bindet sie „natürlich niemals“ in ihre Romane ein, „aber manchmal leihe ich mir Eigenschaften von ihnen für meine Charaktere aus“, gibt sie zu. Eine diebische Freude hat sie daran, im Verlauf ihrer Geschichten falsche Spuren zu legen „und ich liebe den Knalleffekt am Schluss.“ Um den Kopf frei zu kriegen, joggt sie – „das müsste ich bald mal wieder tun“ – fotografiert und trifft sich mit Freunden.

Sehr zur Freude ihrer Zuhörer, von denen viele alle ihre Bücher gelesen haben, versichert Ursula Poznanski, dass ihr die Ideen nicht ausgehen und es weitere Bücher von ihr geben wird. In Gelnhausen werden sie mit Spannung erwartet.

(Stadt Gelnhausen)

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